Es gibt Kuchen, die erinnern mich sofort an meine Kindheit. Kaum steigt der Duft von Schokolade und warmen Kirschen aus dem Backofen, fühle ich mich wieder wie damals, als ich nach der Schule direkt in die Küche meiner Großmutter lief. Fast jedes Wochenende stand dort irgendein Blechkuchen auf dem Tisch. Mal mit Äpfeln, mal mit Pflaumen und im Sommer fast immer mit frischen Kirschen. Während der Kuchen noch leicht warm war, durfte natürlich niemand ein Stück abschneiden – zumindest offiziell. In Wahrheit verschwand meistens schon vorher die erste Ecke, weil einfach niemand widerstehen konnte.
Viele Jahre später wollte ich genau dieses Gefühl wieder auf den Tisch bringen. Allerdings hatte sich meine Ernährung inzwischen etwas verändert. Ich backe heute deutlich bewusster und versuche, klassischen Zucker und Weizenmehl möglichst zu ersetzen. Anfangs war ich skeptisch, ob ein Low-Carb-Kirschkuchen überhaupt ähnlich saftig werden könnte wie die Version meiner Großmutter. Nach einigen Versuchen stellte ich jedoch fest, dass gerade gemahlene Mandeln und hochwertige Milchprodukte für eine wunderbar lockere Konsistenz sorgen können.
Die Idee zu diesem Kuchen entstand an einem heißen Julitag. Auf dem Wochenmarkt hatte ich eine große Schale reifer Kirschen gekauft. Eigentlich wollte ich daraus Marmelade kochen, doch unterwegs bekam ich plötzlich Lust auf einen einfachen Blechkuchen. Zuhause öffnete ich den Kühlschrank und stellte fest, dass noch Mascarpone, Butter, Eier und griechischer Joghurt vorhanden waren. Also begann ich zu experimentieren.
Ich bereitete zunächst einen hellen Mandelteig zu und teilte ihn anschließend in zwei Hälften. In die zweite Hälfte rührte ich etwas ungesüßtes Kakaopulver. Schon allein das Aussehen erinnerte mich an die Marmorkuchen meiner Kindheit. Danach verteilte ich großzügig frische Kirschen auf dem Teig und schob das Blech in den Ofen.
Während der Kuchen langsam backte, verbreitete sich im ganzen Haus ein Duft, der einfach nach Sommer roch. Butter, Kakao, Vanille und warme Kirschen – diese Kombination ist für mich bis heute unschlagbar. Mein Mann kam neugierig in die Küche und fragte sofort, ob Besuch komme. Als ich sagte, dass der Kuchen einfach nur für uns sei, musste er lachen.
Nach dem vollständigen Auskühlen schnitten wir die ersten Stücke an. Die Kirschen waren wunderbar saftig geblieben und hatten ihre leichte Säure behalten. Zusammen mit dem schokoladigen Teig entstand genau die Kombination, die ich mir vorgestellt hatte. Besonders überrascht war ich davon, wie locker der Mandelboden geworden war. Niemand hätte vermutet, dass dieser Kuchen ohne Weizenmehl gebacken wurde.
Seit diesem Tag gehört dieser Low-Carb-Kirschkuchen zu meinen Lieblingsrezepten. Im Sommer backe ich ihn regelmäßig mit frischen Kirschen, im Winter verwende ich gut abgetropfte Sauerkirschen aus dem Glas. Beide Varianten schmecken hervorragend.
Besonders praktisch finde ich, dass sich der Kuchen problemlos einen Tag vorher backen lässt. Tatsächlich schmeckt er am zweiten Tag fast noch besser, weil sich dann die Aromen vollständig verbunden haben. Deshalb bereite ich ihn oft schon am Vorabend vor, wenn Gäste kommen.
Mittlerweile hat sich das Rezept auch in meiner Familie herumgesprochen. Meine Schwester backt ihn inzwischen ebenfalls regelmäßig und hat sogar ihren Kindern erzählt, dass es einer ihrer Lieblingskuchen sei. Die beiden glauben bis heute, es handle sich um einen ganz normalen Schokoladenkuchen.
Genau das gefällt mir an diesem Rezept. Es schmeckt wie ein klassischer Blechkuchen, enthält jedoch deutlich weniger Kohlenhydrate und sorgt trotzdem für ein wunderbar saftiges Ergebnis.
Zutaten
Für den Teig
200 g weiche Butter
120 g Erythrit
5 Eier
120 g griechischer Joghurt
250 g Mandelmehl
60 g Kokosmehl
16 g Backpulver
2 TL Vanilleextrakt
1 Prise Salz
20 g ungesüßtes Kakaopulver
Für den Belag
350–400 g frische Kirschen (entsteint)
alternativ gut abgetropfte Sauerkirschen
einige Mandelblättchen
Zum Bestäuben
etwas Pudererythrit