Bis zu jenem Dienstag.
Hannah nahm ihre Notenmappe, setzte die goldenen Ohrringe ein letztes Mal gerade und lächelte mich an.
„Bis später.“
„Direkt nach Hause?“
„Versprochen.“
Es war das letzte Versprechen, das ich von ihr hörte.
Als sie am Abend nicht zurückkam, begann eine Suche, die unser Leben zerstörte.
Die Polizei stellte Fragen.
Freiwillige durchkämmten Wälder.
Wochen wurden zu Monaten.
Monate zu Jahren.
Am Ende blieben nur Aktenordner, verblasste Fotos und Menschen, die irgendwann aufhörten zu hoffen.
Nur ich nicht.
Ich konnte nicht.
Denn irgendetwas passte nie zusammen.
Rick sprach kaum noch über Hannah.
Zu kaum einem Termin der Ermittler wollte er mitkommen.
Und jedes Mal, wenn ich ihren Namen erwähnte, wechselte er das Thema.
Damals hielt ich das für Trauer.
Heute bin ich mir da nicht mehr sicher.
„Gnädige Frau?“
Die Stimme des Verkäufers riss mich zurück in die Gegenwart.
Er hielt einen vergilbten Zettel in der Hand.
„Ich habe den Namen gefunden, von dem die Kiste stammt.“
Ich nahm den Zettel entgegen.
Noch bevor ich ihn vollständig lesen konnte, spürte ich, wie mir das Blut in den Adern gefror.
Der Name darauf war mir nicht unbekannt.
Er tauchte bereits vor zehn Jahren in den Ermittlungsakten auf.
Damals hatte ihm jedoch niemand besondere Bedeutung geschenkt.
Heute wusste ich, dass genau dort die Antworten beginnen könnten.
Und zum ersten Mal seit einem Jahrzehnt hatte ich das Gefühl, Hannah war mir näher, als ich jemals zu hoffen gewagt hatte.