„Das müsste ich nachsehen.“
Während er hinter seinem Verkaufswagen verschwand, konnte ich den Blick nicht von den Ohrringen lösen.
Vor meinem inneren Auge war plötzlich wieder derselbe Morgen wie damals.
Der Duft von Zimttoast lag in der Luft.
Die Sonne schien durch die Küchenfenster.
Hannah saß am Esstisch und trommelte ungeduldig mit den Fingern auf die Tischplatte.
Rick grinste.
„Noch ein bisschen Geduld.“
Er verschwand kurz im Flur und kam mit einer dunkelblauen Samtschachtel zurück.
„Alles Gute zum Geburtstag, mein Schatz.“
Hannah öffnete die Schachtel vorsichtig.
„Mama… schau mal!“
Ihre Augen leuchteten.
Darin lagen zwei goldene Ohrringe in Form kleiner Klaviertasten.
Auf jeder Taste funkelte ein winziger Stern.
Rick hatte sie selbst entworfen.
Wochenlang hatte er in seiner Werkstatt gesessen und jedes Detail immer wieder verändert.
Er wollte, dass es kein zweites Paar auf der Welt gab.
„Jetzt hast du etwas, das wirklich nur dir gehört“, sagte er stolz.
Hannah umarmte ihn so fest, dass ihm fast die Brille von der Nase fiel.
„Ich werde sie nie verlieren.“
Damals glaubte ich jedes Wort.
Heute verfolgt mich genau dieser Satz bis in den Schlaf.
Von diesem Tag an trug Hannah die Ohrringe fast jeden Tag.
Beim Frühstück.
In der Schule.
Beim Klavierunterricht.
Selbst auf Familienfotos funkelten sie zwischen ihren Haaren.
Wenn sie spielte, bewegten sie sich leicht im Takt der Musik.
Rick behauptete oft lachend, man könne Hannah schon von Weitem erkennen.
Vielleicht hatte er recht.
Vielleicht war genau das später unser größter Fehler.
Damals fiel mir vieles nicht auf.
Rick verschwand häufig für mehrere Stunden.
Er schloss seine Werkstatt immer sorgfältig ab.
Telefonate führte er grundsätzlich draußen.
Wenn ich fragte, mit wem er gesprochen hatte, lächelte er nur.
„Nur Arbeit.“
Ich glaubte ihm.
Warum hätte ich auch zweifeln sollen?
Unser Leben wirkte vollkommen normal.