27.10.2026

Nix mit Gelierzucker! So wird Sangria in vielen spanischen Familien seit Generationen zubereitet

Zubereitung

Zunächst werden Orange und Zitrone gründlich unter heißem Wasser gewaschen, da auch die Schale verwendet wird. Gerade sie enthält viele aromatische Öle, die später einen wichtigen Beitrag zum Geschmack leisten. Anschließend werden beide Früchte in dünne Scheiben oder kleine Stücke geschnitten. Der Apfel wird gewaschen, entkernt und ebenfalls in mundgerechte Stücke geschnitten. Schälen muss man ihn nicht, denn auch seine Schale trägt zum frischen Aroma bei.

Nun kommen sämtliche Früchte in eine große Glaskaraffe oder eine ausreichend große Schüssel. Darüber wird der Rotwein gegossen. Anschließend folgt der Orangenlikör, der die fruchtigen Aromen wunderbar miteinander verbindet. Jetzt wird alles einmal vorsichtig umgerührt.

Ab diesem Moment beginnt der wichtigste Teil des gesamten Rezepts: Geduld. Die Karaffe wird sorgfältig abgedeckt und für mindestens zwölf Stunden, idealerweise jedoch für einen ganzen Tag, in den Kühlschrank gestellt. Während dieser Zeit passiert etwas, das man mit keiner zusätzlichen Zutat ersetzen kann. Die Früchte geben langsam ihren Geschmack an den Wein ab, während gleichzeitig die Säure der Zitrusfrüchte wunderbar mit den kräftigen Noten des Rotweins harmoniert.

Erst kurz vor dem Servieren wird die gut gekühlte Zitronenlimonade hinzugefügt. Dadurch erhält die Sangria ihre angenehme Frische und eine leichte Spritzigkeit. Zum Schluss kommen reichlich Eiswürfel in die Karaffe. Wer möchte, kann zusätzlich einige frische Orangenscheiben oder Minzblätter hineingeben. Dadurch wirkt das Getränk besonders sommerlich und macht auch optisch sofort Lust auf den ersten Schluck.

Ich serviere Sangria am liebsten in großen Gläsern mit viel Eis. Gerade an heißen Sommertagen bleibt sie dadurch lange angenehm kühl. Dazu passen kleine Tapas, Oliven, geröstetes Brot mit Tomaten, Manchego-Käse oder gegrilltes Gemüse hervorragend. Auch zu einem gemütlichen Grillabend oder einem entspannten Nachmittag auf der Terrasse harmoniert sie wunderbar.

Im Laufe der Jahre habe ich viele Varianten ausprobiert. Manche ergänzen Pfirsiche oder Nektarinen, andere verwenden zusätzlich Beeren oder Trauben. Auch Zimtstangen oder ein kleines Stück Vanilleschote werden gelegentlich verwendet. Trotzdem kehre ich immer wieder zu diesem klassischen Grundrezept zurück. Gerade seine Einfachheit macht für mich den besonderen Reiz aus. Wenige gute Zutaten ergeben zusammen ein Getränk, das seit Generationen geschätzt wird und bis heute nichts von seiner Beliebtheit verloren hat.

Ein weiterer Vorteil ist die unkomplizierte Vorbereitung. Während man sich am Tag der Feier ganz auf seine Gäste konzentrieren kann, erledigt die Sangria ihre wichtigste Arbeit bereits im Kühlschrank. Das nimmt viel Stress aus der Vorbereitung und sorgt gleichzeitig dafür, dass sich alle Aromen optimal entfalten können.

Vielleicht ist genau das das eigentliche Geheimnis spanischer Gastfreundschaft. Es geht nicht darum, möglichst viele Zutaten oder besonders komplizierte Rezepte zu verwenden. Viel wichtiger ist es, gute Lebensmittel mit etwas Geduld zuzubereiten und anschließend gemeinsam zu genießen. Eine Karaffe Sangria steht deshalb nicht einfach nur auf dem Tisch – sie wird zum Mittelpunkt eines entspannten Sommerabends, an dem Gespräche, Lachen und gutes Essen genauso wichtig sind wie das Getränk selbst.

Seit meiner Reise nach Spanien bereite ich Sangria immer nach diesem Prinzip zu. Wann immer ich die Karaffe aus dem Kühlschrank hole und die ersten Eiswürfel hineinfallen, denke ich an jene kleinen Plätze unter südlicher Sonne zurück, an denen die Menschen stundenlang zusammensitzen und den Moment genießen. Vielleicht ist genau das die wichtigste Zutat dieses Rezepts: sich Zeit zu nehmen. Denn eine wirklich gute Sangria entsteht nicht in wenigen Minuten, sondern entwickelt ihren Charakter ganz langsam – Schluck für Schluck, Stunde für Stunde und mit jeder Frucht, die ihr Aroma an den Wein weitergibt.

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