Es gibt Rezepte, die plant man ganz bewusst. Man sieht ein Foto, speichert es ab und nimmt sich vor, es irgendwann auszuprobieren. Und dann gibt es die anderen Rezepte. Diejenigen, die völlig unerwartet ins Leben kommen und plötzlich zu einem festen Bestandteil des Alltags werden. Genau so war es bei diesem Blaubeer-Latte.
Wenn mir vor einigen Jahren jemand erzählt hätte, dass ich einmal Blaubeeren mit Kaffee kombinieren würde, hätte ich vermutlich nur gelacht. Kaffee war für mich immer Kaffee. Mal mit etwas Milch, manchmal als Cappuccino und gelegentlich als Latte Macchiato. Blaubeeren hingegen gehörten für mich in Kuchen, Marmelade oder auf den Frühstücksjoghurt. Die Vorstellung, beides miteinander zu kombinieren, klang zunächst eher ungewöhnlich.
Die Geschichte begann während eines kleinen Wochenendausflugs in eine Stadt, die für ihre gemütlichen Cafés bekannt ist. Eigentlich wollten mein Mann und ich nur ein wenig bummeln und dem Alltag entfliehen. Nachdem wir stundenlang durch kleine Gassen spaziert waren, beschlossen wir, eine Pause einzulegen. Das Café, das wir auswählten, wirkte auf den ersten Blick völlig unscheinbar. Einige Holztische vor der Tür, ein paar Blumen auf den Fensterbänken und der Duft von frisch gemahlenem Kaffee, der schon von draußen zu riechen war.
Während ich die Karte durchblätterte, fiel mir ein Getränk auf, das ich zuvor noch nie gesehen hatte. Blaubeer-Latte. Ich las den Namen mehrmals, weil ich zunächst dachte, ich hätte mich verlesen. Kaffee und Blaubeeren? Das konnte ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. Doch genau diese Neugier sorgte schließlich dafür, dass ich ihn bestellte.
Als die Tasse vor mir stand, war ich zunächst von der Farbe begeistert. Am Boden schimmerte ein wunderschönes Blau-Violett, darüber lag die cremige Milchschicht und ganz oben thronte der Espresso. Es sah beinahe zu schön aus, um daraus zu trinken. Doch spätestens nach dem ersten Schluck war ich vollkommen überzeugt. Die fruchtige Süße der Blaubeeren harmonierte überraschend gut mit den kräftigen Röstaromen des Kaffees. Es war gleichzeitig frisch, cremig und aromatisch. Anders als alles, was ich bis dahin probiert hatte.
Auf der Heimfahrt sprach ich ständig über dieses Getränk. Mein Mann musste lachen und meinte, dass ich wahrscheinlich schon am nächsten Tag versuchen würde, es selbst nachzumachen. Er sollte recht behalten. Kaum zu Hause angekommen, begann ich nach Rezepten zu suchen. Viele Varianten wirkten allerdings unnötig kompliziert. Einige verwendeten künstliche Sirupe, andere zahlreiche zusätzliche Zutaten. Das entsprach überhaupt nicht meinem Stil. Ich wollte etwas Natürliches, das nach echten Blaubeeren schmeckt.
Also begann ich zu experimentieren. Die ersten Versuche waren ehrlich gesagt nicht besonders erfolgreich. Mal war der Blaubeergeschmack zu schwach, mal überdeckte der Espresso alles. Ein anderes Mal wurde der Sirup viel zu süß. Doch nach einigen Wochen hatte ich schließlich die perfekte Balance gefunden. Seitdem gehört dieser Blaubeer-Latte zu meinen absoluten Lieblingsgetränken, besonders im Frühling und Sommer.
Was ich daran besonders liebe, ist die Kombination aus Vertrautem und Neuem. Kaffee kennt jeder. Blaubeeren ebenfalls. Doch gemeinsam ergeben sie etwas, das überraschend harmonisch wirkt. Jedes Mal, wenn ich Gästen einen Blaubeer-Latte serviere, reagieren sie zunächst skeptisch. Nach dem ersten Schluck folgt jedoch fast immer dieselbe Reaktion: Überraschung und Begeisterung.
Inzwischen bereite ich den Blaubeersirup oft auf Vorrat zu. So kann ich mir jederzeit innerhalb weniger Minuten einen besonderen Latte gönnen. Gerade an warmen Nachmittagen, wenn die Sonne durch die Küche scheint und man sich eine kleine Auszeit gönnen möchte, gibt es kaum etwas Schöneres.
Zutaten
Für den Blaubeersirup
200 g Blaubeeren (frisch oder TK)
100 g Zucker
100 ml Wasser
1 TL Zitronensaft
Für den Blaubeer-Latte
250 ml Milch
1 Espresso (ca. 30 ml)
2 bis 3 EL Blaubeersirup
Schlagsahne zum Garnieren