27.10.2026

Viele glauben, 120/80 sei ideal – warum das nicht stimmt und was Ihr Blutdruck wirklich über Sie verrät

Ich weiß noch genau, wie ich früher gedacht habe, dass ein Blutdruck von 120 zu 80 das Maß aller Dinge sei. Wenn jemand im Fernsehen darüber sprach, nickte ich nur wissend – klar, das war der perfekte Wert, so hatte man es doch immer gehört. Erst als mein eigenes Messgerät plötzlich etwas anderes anzeigte, begann ich zu verstehen, wie wenig ich eigentlich über meinen eigenen Körper wusste. Und ehrlich gesagt: Es hat mir Angst gemacht. Aber es hat auch etwas in mir verändert – meine Ernährung, meinen Schlaf, meine Einstellung zum Alltag und vor allem zu mir selbst.

Ich war damals 43, mitten im ganz normalen deutschen Familienchaos. Zwei Kinder, ein Vollzeitjob, Haushalt, Eltern, die älter wurden, und die ständige Hetzerei zwischen Einkaufen, Kochen, Waschen, Terminen und dem Versuch, abends noch irgendwie „Zeit für mich“ zu finden. An jenem Tag, an den ich mich so genau erinnere, fühlte ich mich einfach nur erschöpft. Mir war leicht schwindelig, das Herz schlug spürbar schneller als sonst. Ich dachte zuerst: wahrscheinlich zu viel Kaffee. Oder Stress. Ich lachte es weg – so wie wir Frauen das oft tun, weil es eben funktionieren muss.

Aber am Abend, als die Kinder im Bett waren, fand ich das alte Blutdruckmessgerät meiner Mutter. Ich setzte mich, legte die Manschette an, drückte auf Start – und der Wert erschien: 138 zu 85. Ich starrte auf die Zahlen. Ich wusste nicht genau, was sie bedeuteten, aber in meinem Kopf schrie es: „Zu hoch!“ Ich fühlte mich plötzlich krank, obwohl ich mich den ganzen Tag eigentlich nur müde gefühlt hatte.

Am nächsten Morgen ging ich zur Hausärztin. Sie war ruhig, freundlich, und sagte: „Keine Sorge, das ist noch kein Bluthochdruck. Aber wir behalten das im Auge.“ Ich erinnere mich noch, wie sie mich anlächelte, während sie sagte: „Wissen Sie, der perfekte Blutdruck existiert gar nicht. Jeder Mensch ist anders.“

Diese Worte gingen mir nicht mehr aus dem Kopf. Ich begann, mich zu informieren. Und ich merkte schnell, dass fast alles, was ich bisher über Blutdruck gehört hatte, nur Halbwissen war.

Der berühmte Wert 120/80 – er stammt aus Studien, die vor Jahrzehnten an jungen, gesunden Männern durchgeführt wurden. Männer, die kaum Stress, keine Schichtarbeit, keine Wechseljahre und keine Schlafprobleme hatten. Kein Wunder, dass dieser Wert für viele Frauen (und übrigens auch Männer über 40) gar nicht mehr realistisch ist. Unser Körper verändert sich, unsere Gefäße werden weniger elastisch, unser Hormonhaushalt spielt eine große Rolle – und das alles wirkt sich auf den Blutdruck aus.

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