Orchideen gehören für mich zu den Pflanzen, bei denen man sehr schnell entweder begeistert oder völlig ratlos ist. Wenn sie blühen, sehen sie wunderschön aus und machen selbst eine einfache Fensterbank sofort etwas besonderer. Aber sobald die letzten Blüten abgefallen sind und wochenlang nur noch grüne Blätter und nackte Blütenstiele zu sehen sind, beginnt meistens die große Frage: Was mache ich falsch?
Genau das ist mir mit meinen ersten Orchideen passiert. Beim Kauf standen sie voller Blüten da, einige Wochen später war die ganze Pracht verschwunden. Ich habe gegossen, den Standort verändert, wieder weniger gegossen und irgendwann angefangen, alle möglichen Hausmittel auszuprobieren. Dabei habe ich irgendwann verstanden, dass Orchideen eigentlich gar nicht besonders kompliziert sind. Sie mögen nur einige Dinge überhaupt nicht – und eines davon ist zu viel Aufmerksamkeit.
Vor allem bei der beliebten Phalaenopsis, die in vielen deutschen Haushalten auf der Fensterbank steht, ist weniger oft mehr. Sie braucht Wasser, Licht, Luft an den Wurzeln und während der Wachstumsphase etwas Nahrung. Was sie dagegen nicht braucht, sind ständig wechselnde Hausmittel oder jeden zweiten Tag eine neue „Wunderlösung“.
Immer wieder liest man zum Beispiel, man solle Orchideen nicht mehr mit normalem Wasser gießen, sondern stattdessen grünen Tee, Zuckerwasser oder andere Mischungen verwenden. Ganz so einfach ist es aber nicht. Wasser bleibt natürlich die Grundlage der Orchideenpflege. Tee oder Zucker ersetzen weder richtiges Gießen noch einen ausgewogenen Orchideendünger.
Trotzdem gibt es einen Punkt, der hinter solchen Tipps steckt und durchaus sinnvoll ist: Eine Orchidee, die jahrelang ausschließlich mit sehr nährstoffarmem Wasser versorgt wird, kann irgendwann zusätzliche Nährstoffe gebrauchen. Dafür gibt es allerdings wesentlich zuverlässigere Möglichkeiten als Zuckerwasser.
Bei meinen Orchideen hat sich vor allem eine einfache Routine bewährt. Ich gieße beziehungsweise tauche sie erst dann, wenn die Wurzeln deutlich heller geworden sind, und gebe während der Wachstumsphase regelmäßig eine sehr schwache Düngerlösung dazu.
Seit ich mich daran halte, habe ich viel weniger Probleme mit faulen Wurzeln und bekomme deutlich häufiger neue Blütentriebe.
Was meine Orchideen statt irgendwelcher „Wundermittel“ bekommen
Das Wichtigste ist zunächst das richtige Wasser.
Phalaenopsis-Orchideen wachsen in der Natur nicht wie eine normale Gartenpflanze in schwerer Erde. Viele von ihnen sitzen auf Bäumen und ihre Wurzeln bekommen Luft, Feuchtigkeit und Regenwasser. Deshalb stehen die Pflanzen, die wir kaufen, normalerweise in grober Orchideenrinde.
Diese Wurzeln reagieren empfindlicher auf Staunässe als beispielsweise die Wurzeln einer Zimmerpalme.
Bei mir stehen die Orchideen deshalb grundsätzlich in transparenten Kunststofftöpfen mit vielen Öffnungen. Der Übertopf ist nur Dekoration. Nach dem Gießen darf darin niemals dauerhaft Wasser stehen bleiben.
Ich schaue übrigens viel häufiger auf die Wurzeln als auf einen festen Gießplan.
Sind die sichtbaren Wurzeln kräftig grün, ist normalerweise noch genügend Feuchtigkeit vorhanden.
Werden sie dagegen silbrig-grau und fühlt sich der Topf deutlich leichter an, ist es meistens Zeit zu gießen.
Je nach Jahreszeit kann das bei mir ungefähr einmal pro Woche sein, manchmal aber auch erst nach zehn Tagen. Im Winter brauchen manche Pflanzen sogar noch weniger Wasser.
Deshalb halte ich wenig von der Empfehlung „jeden Sonntag gießen“. Vielleicht braucht die Pflanze am Sonntag überhaupt kein Wasser.
Ich nehme möglichst zimmerwarmes, eher weiches Wasser. Wenn das Leitungswasser sehr hart ist, kann Regenwasser eine gute Möglichkeit sein. Auch gefiltertes Wasser kann je nach Wasserqualität hilfreich sein.
Beim Gießen habe ich zwei Methoden ausprobiert. Mittlerweile tauche ich meine Orchideen meistens.
Dafür stelle ich den Innentopf ungefähr zehn bis fünfzehn Minuten in eine Schüssel mit Wasser. Die Rinde kann sich vollsaugen und die Wurzeln bekommen ausreichend Feuchtigkeit.
Danach nehme ich den Topf heraus und lasse ihn wirklich gründlich abtropfen.
Erst wenn unten kein Wasser mehr herausläuft, kommt die Pflanze zurück in ihren Übertopf.
Dieser letzte Schritt ist meiner Meinung nach wichtiger, als viele denken. Bleiben ein oder zwei Zentimeter Wasser dauerhaft im Übertopf stehen, sitzen die unteren Wurzeln ständig darin. Genau dort beginnen sie dann häufig zu faulen.
Alle paar Gießvorgänge gebe ich während der Wachstumsphase etwas Orchideendünger in das Wasser.
Dabei nehme ich lieber weniger als zu viel.
Orchideen sind keine Starkzehrer. Eine konzentrierte Düngerlösung kann ihren empfindlichen Wurzeln sogar schaden. Deshalb halte ich mich an die Angaben des Herstellers und verwende häufig sogar nur ungefähr die Hälfte der empfohlenen Konzentration.
Wenn gerade neue Blätter oder Wurzeln wachsen, dünge ich regelmäßiger. Während einer sehr ruhigen Phase im Winter reduziere ich die Düngung deutlich.
Und genau hier liegt für mich der Unterschied zwischen sinnvoller Ernährung und irgendwelchen Küchenexperimenten.
Ein Orchideendünger enthält Stickstoff, Phosphor, Kalium und verschiedene Spurenelemente in kontrollierter Zusammensetzung. Bei einer Tasse Tee weiß man dagegen überhaupt nicht genau, welche Stoffe und welche Konzentration bei den Wurzeln ankommen.
Und was ist mit grünem Tee, Kamille oder Zuckerwasser?
Ich kenne diese Tipps genauso wie wahrscheinlich viele andere Orchideenliebhaber.
Besonders grüner Tee wird häufig als Geheimtipp genannt. Die Idee dahinter ist, dass schwacher Tee kleine Mengen mineralischer Bestandteile enthält.
Ich würde daraus aber keinesfalls eine tägliche oder regelmäßige Ersatzbewässerung machen.
Wenn jemand eine sehr schwache, ungesüßte Teelösung einmal ausprobiert, wird eine gesunde Orchidee wahrscheinlich nicht sofort eingehen. Einen zuverlässigen Vorteil gegenüber einem richtig dosierten Orchideendünger sehe ich darin aber nicht.