Wer Medikamente einnimmt und konkrete Ernährungsvorgaben bekommen hat, sollte Änderungen mit Arzt, Ärztin oder Ernährungsfachkraft besprechen.
Ein Lebensmittel einfach auf Verdacht wegzulassen, ist selten die beste Lösung.
Was mich an der Diskussion um Avocados besonders stört, ist dieses ständige Denken in Extremen.
Ein Lebensmittel ist entweder ein „Superfood“, das angeblich beinahe alles verbessert, oder plötzlich etwas, vor dem gewarnt werden muss.
Dabei liegt die Wahrheit meistens irgendwo dazwischen.
Eine Avocado ist zunächst einmal ein Lebensmittel.
Ein ziemlich nährstoffreiches noch dazu.
Sie liefert Fett, Ballaststoffe und verschiedene Mikronährstoffe und kann hervorragend in eine ausgewogene Ernährung passen.
Aber sie besitzt keine magischen Eigenschaften.
Wer jeden Tag Avocado isst, wird dadurch nicht automatisch gesund.
Und wer nie Avocado isst, ernährt sich deshalb nicht automatisch schlecht.
Viel wichtiger ist, womit man sie kombiniert und wie die Ernährung insgesamt aussieht.
Genau das merkt man schon beim Frühstück.
Eine meiner liebsten Varianten ist inzwischen sehr einfach: eine Scheibe kräftiges Vollkornbrot, etwas zerdrückte Avocado, Tomate, Pfeffer und ein Spritzer Zitronensaft.
Früher hätte ich wahrscheinlich noch Butter unter die Avocado gestrichen.
Heute lasse ich sie meistens weg, weil die Avocado selbst bereits genügend Cremigkeit mitbringt.
Das ist ein gutes Beispiel dafür, wie man ein energiereiches Lebensmittel sinnvoll einsetzen kann, statt es einfach zusätzlich zu allem anderen zu essen.
Auch im Salat funktioniert das hervorragend.
Avocado kann dort einen Teil des Dressings beziehungsweise anderer fettreicher Zutaten ersetzen und macht den Salat gleichzeitig sättigender.
Und natürlich gibt es Guacamole.
Dagegen ist überhaupt nichts einzuwenden.
Interessanter wird eher die Frage, womit man sie isst und wie groß die Portion wird.
Eine Schüssel Guacamole mit Gemüse ist etwas anderes als eine riesige Portion Guacamole zusammen mit einer großen Menge Chips.
Nicht die Avocado allein entscheidet darüber, wie ausgewogen die Mahlzeit am Ende ist.
Was steckt eigentlich in einer Avocado?
Avocados liefern vor allem einfach ungesättigte Fettsäuren. Dazu kommen Ballaststoffe und verschiedene Mikronährstoffe wie Folat, Vitamin E und Kalium.
Gerade die ungesättigten Fette machen sie als Alternative zu manchen Lebensmitteln mit vielen gesättigten Fettsäuren interessant.
Und auch hier ist das Wort Alternative wichtig.
Wenn Avocado beispielsweise einen anderen Aufstrich ersetzt, kann sie die Zusammensetzung einer Mahlzeit verändern.
Wenn sie lediglich zusätzlich auf ein ohnehin sehr energiereiches Essen gelegt wird, sieht die Rechnung anders aus.
Das klingt eigentlich selbstverständlich.
Bei sogenannten Superfoods vergessen wir diesen Zusammenhang aber erstaunlich schnell.
Muss man deshalb jeden Tag Avocado essen?
Nein.
Wer sie gerne mag und gut verträgt, kann sie regelmäßig essen.
Aber niemand braucht täglich Avocado, um sich ausgewogen zu ernähren.
Ungesättigte Fettsäuren gibt es beispielsweise auch in Nüssen, Samen und verschiedenen Pflanzenölen. Ballaststoffe liefern Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, Gemüse und Obst.
Abwechslung ist deshalb wahrscheinlich die wesentlich bessere Strategie, als sich auf ein einziges besonders beworbenes Lebensmittel zu konzentrieren.
Und eine feste Grenze nach dem Motto „mehr als eine Avocado täglich ist grundsätzlich schädlich“ wäre ebenfalls zu pauschal.
Eine sehr aktive Person mit hohem Energiebedarf hat andere Bedürfnisse als jemand, der gerade versucht, sein Gewicht zu reduzieren.
Entscheidend sind Menge, restliche Ernährung und persönliche Situation.
Wann würde ich genauer hinschauen?
Wenn man Avocados gerne isst, sie gut verträgt und keine besonderen medizinischen Ernährungsvorgaben hat, gibt es normalerweise keinen Grund, sich davor zu fürchten.
Aufmerksamer würde ich werden, wenn nach dem Essen regelmäßig Beschwerden auftreten oder wenn aufgrund einer Erkrankung bestimmte Nährstoffe begrenzt werden sollen.
Auch wer abnehmen möchte und täglich größere Mengen Avocado, Nüsse, Käse, Öl und andere energiereiche Lebensmittel isst, könnte einmal die tatsächlichen Portionen betrachten.
Nicht um diese Lebensmittel zu verbieten.
Sondern um herauszufinden, wo sich unbemerkt zusätzliche Energie summiert.
Manchmal sind es nämlich gar nicht Süßigkeiten oder Fast Food, die den größten Unterschied machen.
Ein großzügiger Schuss Olivenöl hier, eine große Handvoll Nüsse dort und noch eine ganze Avocado zum Abendessen können ebenfalls einiges ausmachen.
Gesund und energiereich können gleichzeitig wahr sein.
Genau diese Erkenntnis finde ich beim Thema Avocado am wichtigsten.
Man muss keine Angst vor ihr haben.
Man muss sie aber auch nicht wie ein Wundermittel behandeln.
Für die meisten Menschen dürfte eine normale Portion innerhalb einer abwechslungsreichen Ernährung vollkommen unkompliziert sein.
Und wenn ich heute eine schöne reife Avocado aufschneide, denke ich deshalb nicht darüber nach, ob sie nun „Superfood“ oder „Kalorienbombe“ ist.
Ich esse sie, weil sie mir schmeckt.
Meistens eine kleinere Portion auf Brot oder im Salat.
Und am nächsten Tag gibt es vielleicht etwas völlig anderes.
Denn wahrscheinlich ist genau diese Abwechslung langfristig vernünftiger als die Suche nach dem einen Lebensmittel, das jeden Tag auf dem Teller liegen muss.