27.10.2026

Klettenwurzel: Warum diese alte Heilpflanze heute wieder so viel Aufmerksamkeit bekommt

Die getrocknete Klettenwurzel zusammen mit dem Wasser in einen kleinen Topf geben. Das Wasser zum Kochen bringen und die Mischung anschließend bei niedriger Temperatur etwa zehn Minuten sanft köcheln lassen. Danach vom Herd nehmen und weitere fünf Minuten ziehen lassen.

Den Tee durch ein feines Sieb gießen und zunächst ohne zusätzliche Süße probieren. Sein Geschmack ist erdig und leicht herb. Nach Wunsch kann etwas Zitronensaft oder wenig Honig hinzugefügt werden.

Der Tee sollte als gewöhnliches Kräutergetränk betrachtet werden – nicht als Behandlung gegen Krebs, Gelenkerkrankungen, Diabetes oder andere Beschwerden.

Klettenwurzel als Gemüse

Frische Klettenwurzel lässt sich ähnlich wie Schwarzwurzel oder Karotte verwenden. Sie kann gründlich gebürstet, dünn geschnitten und anschließend gekocht oder in der Pfanne angebraten werden.

Gut dazu passen:

Karotten

Sesam

Sojasauce

Ingwer

Frühlingszwiebeln

Reis

Pilze

Da die geschälte oder angeschnittene Wurzel schnell nachdunkeln kann, wird sie häufig kurz in Wasser gelegt. Langes Einweichen ist nicht notwendig und kann Geschmack sowie wasserlösliche Bestandteile reduzieren.

Wer sollte vorsichtig sein?

Natürlich bedeutet nicht automatisch risikofrei. Klettenwurzel kann allergische Reaktionen auslösen, insbesondere bei Menschen, die empfindlich auf Pflanzen aus der Familie der Korbblütler reagieren. Dazu zählen beispielsweise Beifuß, Kamille, Arnika oder Chrysanthemen. Kontaktdermatitis und andere allergische Reaktionen wurden beschrieben.

Besondere Vorsicht ist sinnvoll bei:

Schwangerschaft und Stillzeit

Einnahme blutzuckersenkender Medikamente

Einnahme entwässernder Medikamente

Blutgerinnungsstörungen oder entsprechenden Medikamenten

Nieren- oder Herzerkrankungen

Bekannten Pflanzenallergien

Geplanter Operation

Auch bei einer laufenden Krebsbehandlung sollte jede Verwendung von konzentrierten Pflanzenextrakten oder Nahrungsergänzungsmitteln vorher mit dem behandelnden Onkologie-Team besprochen werden. Manche Pflanzenprodukte können die Wirkung von Medikamenten verändern oder Nebenwirkungen verstärken.

Woran man unseriöse Behauptungen erkennt

Misstrauen ist angebracht, wenn ein Artikel oder Produkt behauptet, eine Pflanze:

sei „hundertmal stärker“ als Chemotherapie,

vernichte garantiert Krebszellen,

heile zahlreiche völlig unterschiedliche Krankheiten,

funktioniere ohne Nebenwirkungen,

werde von Ärzten absichtlich verschwiegen,

mache eine ärztliche Behandlung überflüssig.

Solche Aussagen dienen meist dazu, Aufmerksamkeit zu erzeugen oder Produkte zu verkaufen. Verschiedene Krebsarten benötigen unterschiedliche, sorgfältig geprüfte Behandlungen. Selbst innerhalb derselben Krebsart hängt die Therapie von Stadium, Tumoreigenschaften und Gesundheitszustand ab.

Chemotherapie ist ebenfalls kein einzelner Stoff, mit dem sich eine Pflanze pauschal vergleichen ließe. Es gibt zahlreiche Medikamente, Dosierungen und Behandlungskombinationen. Die Behauptung „100-mal wirksamer“ ist deshalb ohne genaue Vergleichsstudie wissenschaftlich bedeutungslos.

Was die Forschung wirklich sagt

Die Klettenwurzel enthält interessante bioaktive Stoffe, und Laborforschung untersucht mögliche Wirkmechanismen. Solche Ergebnisse können Ausgangspunkte für weitere Forschung sein. Sie erlauben jedoch noch keine Empfehlung als Therapie.

Eine wissenschaftliche Übersichtsarbeit beschreibt verschiedene pharmakologische Beobachtungen, weist aber zugleich auf mögliche Nebenwirkungen und die Notwendigkeit weiterer Untersuchungen hin. Anerkannte Krebszentren kommen derzeit zu dem Schluss, dass die Belege für eine Behandlung von Krebs durch Klettenwurzel fehlen.

Genau diese Unterscheidung ist wichtig: „wird erforscht“ bedeutet nicht „wirkt nachweislich als Medikament“.

Tipps für einen vernünftigen Umgang

Klettenwurzel kann gelegentlich als Gemüse oder Tee ausprobiert werden, sofern keine gesundheitlichen Gründe dagegensprechen.

Kaufen Sie nur eindeutig gekennzeichnete Produkte aus vertrauenswürdiger Quelle. Wurzeln aus der freien Natur können mit anderen Pflanzen verwechselt oder durch Bodenverunreinigungen belastet sein.

Beginnen Sie mit einer kleinen Menge, besonders wenn Sie viele Ballaststoffe nicht gewohnt sind.

Nutzen Sie konzentrierte Extrakte und Kapseln nicht auf eigene Faust. Ihre Dosierung ist wesentlich höher als bei einer normalen Portion Gemüse oder Tee.

Behandeln Sie anhaltende Schmerzen, Gelenkschwellungen, Hautveränderungen oder Verdauungsbeschwerden nicht allein mit Hausmitteln. Solche Beschwerden können unterschiedliche Ursachen haben und sollten fachgerecht abgeklärt werden.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.