Zum ersten Mal fasste ich einen Entschluss, der nichts mit einer Diät zu tun hatte.
Ich wollte mein Leben ändern.
Nicht für die Waage.
Nicht für irgendwelche Kommentare.
Sondern für mich.
Am nächsten Morgen kaufte ich keine Diätprodukte und meldete mich auch nicht sofort im Fitnessstudio an. Stattdessen machte ich etwas, das viel einfacher war.
Ich ging spazieren.
Zwanzig Minuten.
Mehr nicht.
Am nächsten Tag wieder.
Und am Tag danach ebenfalls.
Nach einer Woche merkte ich, dass mir diese kleine Routine sogar guttat. Ich hörte Podcasts, telefonierte mit Freundinnen oder lief einfach schweigend durch unseren Ort.
Gleichzeitig begann ich, mein Essen bewusster auszuwählen.
Ich hörte auf, ständig nebenbei zu naschen. Ich trank deutlich mehr Wasser, kochte häufiger selbst und lernte, dass gesundes Essen weder kompliziert noch langweilig sein muss.
Ich verzichtete nicht komplett auf Schokolade oder Kuchen. Stattdessen hörte ich auf, sie gedankenlos jeden Abend zu essen.
Die ersten Veränderungen sah niemand.
Nicht einmal ich.
Doch ich fühlte sie.
Ich schlief besser.
Ich war morgens nicht mehr ständig müde.
Treppensteigen fiel leichter.
Meine Rückenschmerzen wurden weniger.
Nach ungefähr zwei Monaten fragte mich eine Kollegin zum ersten Mal, ob ich etwas verändert hätte.
Ich lächelte nur.
Nicht, weil ich schon so viel abgenommen hatte.
Sondern weil zum ersten Mal jemand bemerkte, dass sich etwas tat.
Von da an ging alles langsam weiter.
Sehr langsam.
Es gab Wochen, in denen die Waage sich überhaupt nicht bewegte.
Es gab Geburtstage, Grillabende und Urlaube, an denen ich mehr aß als geplant.
Früher hätte ich danach aufgegeben.
Diesmal machte ich einfach weiter.
Monat für Monat wurde mein Alltag leichter.
Ich musste beim Einkaufen plötzlich nach kleineren Kleidergrößen greifen.
Meine Lieblingsjeans, die jahrelang ganz hinten im Schrank gelegen hatte, passte wieder.
Als meine Tochter mich eines Tages fragte, ob wir zusammen Fahrrad fahren könnten, musste ich keine Ausrede mehr suchen.
Zum ersten Mal seit vielen Jahren machte Bewegung sogar Spaß.
Natürlich fragten irgendwann alle nach meinem Geheimnis.
Viele wollten wissen, welche Diät ich gemacht oder welches Programm ich gekauft hatte.
Die Wahrheit enttäuschte manche.
Denn es gab kein Wunder.
Keine Fettverbrennung über Nacht.
Keine Zauberpille.
Nur hunderte kleiner Entscheidungen, die ich jeden einzelnen Tag getroffen hatte.
Heute bin ich viele Kilo leichter als damals.
Aber das Schönste ist etwas ganz anderes.
Ich gehe wieder gerne unter Menschen.
Ich lasse mich fotografieren.
Ich schaue in den Spiegel und sehe nicht mehr nur meine Fehler.
Ich sehe eine Frau, die endlich aufgehört hat, auf den perfekten Zeitpunkt zu warten.
Wenn ich heute das alte Foto neben dem neuen betrachte, denke ich nicht daran, wie viel Gewicht ich verloren habe.
Ich denke daran, wie viel Lebensfreude ich zurückgewonnen habe.
Und genau deshalb würde ich jederzeit wieder ganz von vorne anfangen.