27.10.2026

Risse in der Wassermelone entdeckt? Das steckt wirklich dahinter

Es gibt kaum etwas Schöneres als eine gut gekühlte Wassermelone an einem heißen Sommertag. Kaum ein anderes Obst gehört so sehr zum Sommer wie ihre leuchtend rote Farbe, der süße Geschmack und das erfrischende Fruchtfleisch. Ob beim Grillabend mit Freunden, als gesunder Snack am Nachmittag oder einfach direkt aus dem Kühlschrank – eine Wassermelone landet in vielen Familien regelmäßig auf dem Tisch. Umso größer ist die Überraschung, wenn man sie voller Vorfreude aufschneidet und im Inneren plötzlich Risse, Hohlräume oder ungewöhnliche Spalten entdeckt. Viele erschrecken sich in diesem Moment und denken sofort an Chemikalien, Wachstumshormone oder daran, dass die Frucht verdorben sein könnte. Manche werfen die Melone sogar sofort in den Müll, weil sie glauben, sie sei nicht mehr genießbar.

Dabei steckt hinter diesen Rissen in den allermeisten Fällen eine vollkommen natürliche Ursache. Tatsächlich handelt es sich um ein Phänomen, das Landwirte und Obstbauern seit vielen Jahren kennen. Es hat nichts mit einer verdorbenen Frucht zu tun und ist meistens auch kein Hinweis darauf, dass die Wassermelone künstlich behandelt wurde. Trotzdem halten sich im Internet hartnäckig zahlreiche Mythen, die regelmäßig in sozialen Netzwerken geteilt werden und viele Menschen verunsichern.

Vor einigen Sommern passierte mir genau das Gleiche. Ich hatte auf dem Wochenmarkt eine besonders große Wassermelone gekauft. Sie fühlte sich schwer an, klang beim Klopfen perfekt und sah von außen makellos aus. Zu Hause legte ich sie einige Stunden in den Kühlschrank, denn eine richtig kalte Wassermelone schmeckt einfach am besten. Als ich sie schließlich aufschneiden wollte, bemerkte ich sofort mehrere längliche Risse im Fruchtfleisch. Mein erster Gedanke war ebenfalls, dass mit der Melone etwas nicht stimmen könne. Im Internet fand ich innerhalb weniger Minuten die unterschiedlichsten Behauptungen. Die einen schrieben, das seien Wachstumshormone gewesen, andere warnten vor gefährlichen Chemikalien und wieder andere behaupteten sogar, solche Melonen könnten gesundheitsschädlich sein.

Erst als ich mich intensiver mit dem Thema beschäftigte und nach Informationen von Landwirtschaftsexperten suchte, stellte ich fest, dass die Wahrheit viel einfacher ist.

Das Phänomen trägt den Namen Hohlherzigkeit. Der Begriff klingt zwar ungewöhnlich, beschreibt aber lediglich eine Wachstumsstörung innerhalb der Frucht. Dabei entwickelt sich das Fruchtfleisch im Inneren nicht vollkommen gleichmäßig. Während die Schale und die äußeren Bereiche der Wassermelone weiter wachsen, entstehen im Inneren Spannungen, die schließlich kleine Hohlräume oder Risse verursachen können.

Wie kommt es überhaupt dazu?

Die Entwicklung einer Wassermelone ist erstaunlich komplex. Alles beginnt mit der Bestäubung der Blüte. Je vollständiger diese erfolgt, desto gleichmäßiger entwickelt sich später das Fruchtfleisch. Wird die Blüte jedoch nicht optimal bestäubt – beispielsweise weil zu wenige Bienen unterwegs waren oder das Wetter ungünstig war –, kann sich das Innere der Frucht anders entwickeln als die äußeren Schichten.

Hinzu kommen Wetterbedingungen. Besonders starke Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht können dazu führen, dass die Melone zeitweise schneller oder langsamer wächst. Auch längere Trockenperioden, gefolgt von sehr intensiver Bewässerung oder starken Regenfällen, beeinflussen das Wachstum. Die Schale dehnt sich dann schneller aus als das Fruchtfleisch im Inneren, wodurch Spannungen entstehen können.

Das Ergebnis sind genau die Risse, die viele Menschen später beim Anschneiden entdecken.

Interessanterweise kommt dieses Phänomen nicht nur bei Wassermelonen vor. Auch Tomaten können nach starken Regenfällen aufplatzen. Äpfel entwickeln manchmal kleine innere Hohlräume, Birnen wachsen gelegentlich ungleichmäßig, und selbst Paprika weisen hin und wieder ähnliche Veränderungen auf. Es handelt sich also keineswegs um etwas Einzigartiges oder Gefährliches.

Trotzdem taucht fast jeden Sommer dieselbe Behauptung im Internet auf: Risse seien angeblich ein Beweis dafür, dass die Wassermelone mit Wachstumshormonen behandelt wurde.

Diese Aussage klingt zunächst plausibel, weil viele Menschen von sogenannten Pflanzenwachstumsregulatoren gehört haben. Tatsächlich existieren solche Stoffe in der Landwirtschaft. Daraus abzuleiten, dass jede aufgerissene Wassermelone deshalb künstlich behandelt wurde, ist jedoch nicht möglich. Innere Risse entstehen nach Angaben von Experten überwiegend durch natürliche Wachstumsbedingungen und lassen sich allein anhand des Aussehens nicht auf bestimmte Anbaumethoden zurückführen.

Wer eine Melone mit Rissen entdeckt, sollte deshalb zunächst etwas ganz anderes prüfen.

Wie riecht sie?

Eine frische Wassermelone besitzt einen angenehm süßen, fruchtigen Duft. Riecht sie dagegen säuerlich, gärig oder unangenehm, ist Vorsicht angebracht. Dann hat der Verderb bereits begonnen und die Frucht sollte entsorgt werden.

Auch die Konsistenz verrät viel.

Gesundes Fruchtfleisch ist fest, saftig und knackig. Drückt man leicht darauf, sollte es seine Form behalten. Ist das Innere dagegen schleimig, ungewöhnlich weich oder zerfällt bereits beim Berühren, handelt es sich wahrscheinlich um eine verdorbene Melone.

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