Es gibt Dinge im Leben, über die spricht man nicht gern. Schon gar nicht laut. Körpergeruch im Alter gehört ganz sicher dazu. Und doch ist es ein Thema, das viele betrifft – Männer wie Frauen –, meist früher oder später, manchmal ganz plötzlich, manchmal schleichend. Ich weiß noch genau, wann ich zum ersten Mal darüber gestolpert bin. Es war kein dramatischer Moment, eher ein leiser. Ich hatte frisch geduscht, saubere Kleidung angezogen, alles wie immer. Und trotzdem war da etwas. Kein klassischer Schweißgeruch, nichts „Ungepflegtes“. Sondern etwas Eigenartiges, Schweres, leicht Metallisches, das mir fremd vorkam. Und ich dachte im ersten Moment: Das bilde ich mir ein.
Aber ich bildete es mir nicht ein. Und ich war damit nicht allein.
Heute, Jahre später, weiß ich: Dieser spezielle Geruch, der oft im Zusammenhang mit dem Älterwerden auftaucht, ist real, natürlich und vor allem kein Zeichen von mangelnder Hygiene. Trotzdem fühlt er sich für viele beschämend an. Und genau deshalb möchte ich darüber schreiben – nicht belehrend, nicht medizinisch trocken, sondern so, wie man es einer Freundin erzählen würde. Aus der Küche heraus, mit einem Becher Tee in der Hand, ehrlich und ohne Tabus.
Mit den Jahren verändert sich unser Körper auf so viele Arten. Wir merken es an den Gelenken, an der Haut, am Schlaf, an der Verdauung. Warum sollte ausgerechnet der Geruch davon ausgenommen sein? Und doch sind wir oft überrascht, fast verletzt, wenn wir feststellen, dass wir „anders“ riechen als früher. Dabei ist es ein ganz natürlicher Prozess, der mit Biologie, Hormonen, Haut und Stoffwechsel zu tun hat – und nicht mit Sauberkeit.
Je älter wir werden, desto mehr verändert sich die Zusammensetzung unseres Schweißes. Als junge Menschen schwitzen wir anders, unser Körper produziert andere Fettsäuren, die Haut erneuert sich schneller, Bakterien haben weniger Zeit, sich festzusetzen. Mit zunehmendem Alter verlangsamt sich vieles. Die Haut wird dünner, trockener, weniger durchblutet. Abgestorbene Hautzellen bleiben länger an der Oberfläche. Gleichzeitig verändert sich das Gleichgewicht der Hautflora. Bestimmte Bakterien fühlen sich plötzlich wohler als andere.
Ein Begriff, der mir irgendwann begegnet ist und den viele nicht kennen, heißt 2-Nonenal. Klingt kompliziert, ist aber im Grunde einfach erklärt: Es handelt sich um eine ungesättigte Fettsäure, die vermehrt bei reifer Haut entsteht. Diese Substanz ist nicht wasserlöslich, sie haftet stärker an Haut und Kleidung und wird von normalen Waschvorgängen oft nicht vollständig entfernt. Deshalb bleibt dieser Geruch manchmal, selbst wenn man frisch geduscht ist. Und genau das verunsichert viele Menschen.
Was mich besonders beruhigt hat, war die Erkenntnis: Das hat nichts mit „schmutzig sein“ zu tun. Im Gegenteil. Viele der Betroffenen sind überdurchschnittlich hygienisch, duschen häufiger, waschen ihre Kleidung sorgfältig – und verschärfen das Problem damit manchmal sogar ungewollt. Denn aggressive Seifen, stark parfümierte Duschgels und häufiges Waschen trocknen die Haut weiter aus, zerstören das natürliche Gleichgewicht und geben geruchsbildenden Bakterien erst recht eine Angriffsfläche.