Bei Zuckerwasser bin ich noch vorsichtiger.
Pflanzen stellen Zucker über Photosynthese selbst her. Zucker, den wir ins Gießwasser geben, wird von Orchideenwurzeln nicht einfach wie Dünger aufgenommen und anschließend in Blüten verwandelt.
Zu viel Zucker im feuchten Substrat kann stattdessen Mikroorganismen fördern und die Rinde klebrig oder unangenehm machen.
Deshalb kommt bei mir kein Zucker ins normale Gießwasser.
Auch Traubenzucker oder Honig verwende ich nicht als regelmäßigen Dünger.
Das Gleiche gilt für Kaffee, Bananenwasser und viele andere Hausmittel, die im Internet immer wieder auftauchen. Manche können in sehr kleinen Mengen vielleicht Nährstoffe enthalten, aber man hat keinerlei Kontrolle darüber, wie viel davon tatsächlich vorhanden ist.
Gerade Orchideenwurzeln reagieren aber empfindlich auf zu viele gelöste Salze und organische Rückstände.
Bei Kamillentee wird häufig auf verschiedene pflanzliche Inhaltsstoffe verwiesen. Auch hier gilt für mich: Wenn eine Orchidee gesund ist, braucht sie keine regelmäßigen Kamillenbäder.
Und wenn sie krank ist, sollte man zuerst herausfinden, was wirklich dahintersteckt.
Bei faulen Wurzeln hilft zum Beispiel kein Tee, wenn die Pflanze weiterhin in dauerhaft nasser Rinde steht.
Das Problem muss an der Ursache gelöst werden.
Ich habe gelernt, dass die spektakulärsten Orchideenblüten meistens nicht durch einen geheimen Küchen-Trick entstehen, sondern durch mehrere einfache Dinge, die gleichzeitig stimmen.
Und eines davon wird erstaunlich häufig unterschätzt: Licht.
Eine Orchidee kann perfekt gegossen und gedüngt werden und trotzdem monatelang keine neuen Blüten bilden, wenn sie viel zu dunkel steht.
Meine Phalaenopsis stehen hell, aber nicht dauerhaft in aggressiver Mittagssonne. Ost- und Westfenster funktionieren bei mir besonders gut. An einem sehr hellen Südfenster brauchen sie im Sommer eventuell etwas Schutz vor direkter Sonne.
Die Blätter geben ebenfalls Hinweise.
Sehr dunkle Blätter können darauf hindeuten, dass die Pflanze relativ wenig Licht bekommt. Stark gelbliche oder verbrannte Stellen können dagegen ein Zeichen für zu viel direkte Sonne sein.
Ich drehe die Pflanzen außerdem nicht ständig herum.
Wenn ein neuer Blütenstiel Richtung Licht wächst, lasse ich die Orchidee möglichst in derselben Position. So entwickelt sich der Stiel natürlicher und dreht sich nicht ständig in eine andere Richtung.
Etwas, das bei mir ebenfalls einen Unterschied gemacht hat, ist eine leichte Temperaturabsenkung in der Nacht.
Phalaenopsis können durch einen gewissen Unterschied zwischen Tag- und Nachttemperatur zur Bildung eines neuen Blütentriebes angeregt werden. Das bedeutet natürlich nicht, dass man sie plötzlich in einen eiskalten Keller stellen soll.
Bei mir reicht es oft schon, wenn es im Herbst nachts am Fenster einige Grad kühler ist als tagsüber im Raum.
Nach einigen Wochen entdecke ich dann häufig diesen kleinen grünen Ansatz zwischen den Blättern.
Und jedes Mal frage ich mich zunächst: Wird es eine Wurzel oder ein Blütentrieb?
Neue Wurzeln haben normalerweise eine rundere Spitze. Ein neuer Blütenstiel wirkt dagegen etwas flacher und wächst anders aus der Blattachsel heraus.
Wenn der Blütenstiel erst einmal sichtbar ist, ändere ich meine Pflege kaum.
Ich gieße weiterhin nach Bedarf und dünge moderat. Ich beginne nicht plötzlich mit doppelt so viel Dünger, denn mehr Dünger bedeutet keineswegs automatisch mehr Blüten.
Im Gegenteil: Zu starke Düngung kann die Wurzeln schädigen.
Mit dem Befestigen des Blütenstiels warte ich, bis er etwas länger geworden ist. Dann stecke ich vorsichtig einen Stab in das Substrat und befestige den Stiel locker mit kleinen Pflanzenklammern.
Dabei sollte man sehr vorsichtig sein. Ein junger Blütenstiel ist erstaunlich leicht abzubrechen.
Ich habe das leider einmal geschafft und war danach wochenlang sauer auf mich selbst.
Seitdem lasse ich ihm zunächst mehr Freiheit.
Wenn die ersten Knospen erscheinen, versuche ich außerdem, den Standort nicht mehr stark zu verändern. Kalte Zugluft, extreme Temperaturschwankungen oder ein kompletter Standortwechsel können dazu führen, dass Knospen abgeworfen werden.
Auch eine Obstschale direkt daneben ist keine besonders gute Idee. Reifendes Obst setzt Ethylen frei, das die Alterung von Blüten beeinflussen kann.
Was ich bei einer Orchidee mache, die überhaupt nicht mehr blüht
Wenn eine Orchidee ein Jahr oder länger keine Blüten mehr gebildet hat, schaue ich mir zuerst die Wurzeln an.
Das geht bei einem transparenten Topf zum Glück ziemlich einfach.
Gesunde Wurzeln sind fest und je nach Feuchtigkeit grün oder silbrig.
Braune, matschige und hohle Wurzeln sind dagegen abgestorben.
Wenn sehr viele Wurzeln kaputt sind, hilft auch der beste Dünger nicht. Die Pflanze muss zunächst wieder ein gesundes Wurzelsystem aufbauen.
Dann nehme ich sie vorsichtig aus dem Topf und entferne die alte Rinde.
Abgestorbene, eindeutig matschige Wurzeln schneide ich mit einer sauberen Schere zurück. Feste Wurzeln lasse ich unbedingt stehen.
Anschließend kommt die Orchidee in frisches, grobes Orchideensubstrat.
Ich verwende keine normale Blumenerde.
Normale Erde speichert für Phalaenopsis meistens viel zu lange Feuchtigkeit und lässt zu wenig Luft an die Wurzeln.
Nach dem Umtopfen gebe ich der Pflanze Zeit.
Auch das habe ich erst lernen müssen: Eine Orchidee muss nicht gleichzeitig neue Wurzeln, neue Blätter und einen riesigen Blütenstiel produzieren.
Manchmal investiert sie mehrere Monate hauptsächlich in ihr Wurzelsystem.
Das sieht weniger spektakulär aus, ist aber für die nächste Blüte viel wichtiger.
Bei älteren Pflanzen kontrolliere ich das Substrat ungefähr alle zwei Jahre. Wenn die Rinde stark zerfallen ist und immer mehr wie feine Erde aussieht, tausche ich sie aus.
Alte, zerfallene Rinde bleibt wesentlich länger nass als frisches, grobes Substrat.
Dadurch verändert sich plötzlich auch das Gießverhalten. Eine Orchidee, die früher nach sieben Tagen trocken war, kann in altem Substrat nach sieben Tagen immer noch feucht sein.
Wenn man trotzdem im gleichen Rhythmus weitergießt, beginnt irgendwann die Wurzelfäule.
Deshalb vertraue ich lieber auf die Pflanze als auf den Kalender.
Noch ein Thema, bei dem ich früher unsicher war, ist der Blütenstiel nach der Blüte.
Wenn er komplett braun und trocken geworden ist, schneide ich ihn unten ab.
Ist er dagegen noch grün, kann man ihn stehen lassen. Manchmal entsteht aus einem schlafenden Auge ein Seitentrieb mit weiteren Blüten.
Ich persönlich schneide manche grüne Stiele trotzdem zurück, besonders wenn die Pflanze klein oder geschwächt wirkt. Dann soll sie ihre Energie lieber in neue Wurzeln und Blätter stecken.
Bei einer sehr kräftigen Pflanze lasse ich einen grünen Stiel dagegen gerne stehen und warte ab.
Auch hier gibt es nicht nur eine einzige richtige Methode.
Was ich allerdings nie mache, ist einen vollkommen gesunden Blütenstiel abzuschneiden, nur weil irgendwo steht, dass man dies unbedingt nach einer bestimmten Anzahl von Wochen tun müsse.
Ich schaue lieber darauf, wie die gesamte Pflanze aussieht.
Hat sie feste Blätter, viele gesunde Wurzeln und wächst weiter, ist alles in Ordnung.
Wenn die Blätter dagegen schlaff werden, obwohl das Substrat feucht ist, kontrolliere ich sofort die Wurzeln.
Denn schlaffe Blätter bedeuten nicht automatisch Wassermangel.
Eine Orchidee mit verfaulten Wurzeln kann ebenfalls schlapp aussehen, weil die beschädigten Wurzeln gar kein Wasser mehr aufnehmen können.
Noch mehr zu gießen würde die Situation dann nur verschlimmern.
Das ist wahrscheinlich einer der häufigsten Fehler bei Orchideen.
Die Pflanze sieht trocken aus, also bekommt sie mehr Wasser. In Wirklichkeit steht sie längst zu nass.
Deshalb finde ich transparente Töpfe so praktisch.
Man sieht sofort wesentlich mehr.
Auch Luftfeuchtigkeit spielt eine Rolle, wobei ich daraus keine Wissenschaft mache.
In einem normalen Wohnraum kommen meine Phalaenopsis gut zurecht. Im Winter bei sehr trockener Heizungsluft stelle ich manchmal mehrere Pflanzen zusammen.
Was ich nicht mache, ist ständig Wasser direkt auf die Blüten zu sprühen.
Und besonders in der Blattachsel sollte dauerhaft kein Wasser stehen bleiben.
Falls beim Gießen dort Wasser hineingelangt, tupfe ich es mit etwas Küchenpapier vorsichtig heraus.
Gerade bei niedrigen Temperaturen kann stehendes Wasser im Pflanzenherz problematisch werden.
Wenn man diese wenigen Dinge berücksichtigt, sind Orchideen meiner Erfahrung nach viel unkomplizierter, als ihr Ruf vermuten lässt.
Sie müssen weder jeden Tag kontrolliert noch jede Woche mit einem neuen Hausmittel behandelt werden.
Meine einfachste Routine sieht inzwischen so aus: Ich kontrolliere die Farbe der Wurzeln, gieße erst bei Bedarf, lasse den Topf anschließend vollständig abtropfen und verwende während der Wachstumsphase eine schwache Orchideendüngerlösung.
Dazu ein heller Standort ohne dauerhafte aggressive Mittagssonne und etwas Geduld.
Mehr mache ich die meiste Zeit tatsächlich nicht.
Und vielleicht ist genau die Geduld der schwierigste Teil.
Wenn eine Orchidee ihre Blüten verloren hat, kann es Monate dauern, bis sie wieder einen neuen Blütentrieb bildet. Das bedeutet nicht automatisch, dass die Pflanze krank ist.
Solange neue Wurzeln oder Blätter wachsen und die Pflanze insgesamt kräftig aussieht, passiert im Hintergrund genau das, was passieren soll.
Wenn dann irgendwann der erste neue Blütentrieb zwischen den Blättern erscheint, lohnt sich die ganze Warterei.
Einige meiner Orchideen tragen anschließend viele Wochen lang Blüten. Manche öffnen nach und nach immer neue Knospen, sodass die Blütezeit erstaunlich lang sein kann.
Dafür brauche ich weder Zuckerwasser noch eine geheime Mischung aus der Küche.
Gutes Wasser, ein wenig passender Dünger, genügend Licht und gesunde Wurzeln haben bei mir wesentlich zuverlässiger funktioniert.
Darum würde ich den Satz „Orchideen nie mehr mit Wasser gießen“ nicht wörtlich nehmen. Natürlich brauchen Orchideen Wasser. Man kann dieses Wasser während der Wachstumszeit lediglich gelegentlich mit einem geeigneten Orchideendünger ergänzen.
Gerade bei Pflanzen finde ich einfache Lösungen meistens besser.
Wenn eine Orchidee gesund wächst und regelmäßig wieder blüht, gibt es keinen Grund, ständig etwas Neues auszuprobieren.
Und wenn sie nicht blüht, schaue ich heute zuerst auf Licht, Wurzeln, Substrat und Temperatur – und nicht in meinen Küchenschrank.
Seitdem stehen meine Orchideen wesentlich entspannter auf der Fensterbank.
Und ich übrigens auch.
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