Es gibt Tage, die völlig gewöhnlich beginnen und sich dennoch innerhalb weniger Minuten in eine Erinnerung verwandeln, die man nie wieder vergisst. Genau so begann dieser Freitag. Ich hatte frei, das Haus war ungewöhnlich still und mein Mann Daniel befand sich seit zwei Tagen auf einer Geschäftsreise. Eigentlich wollte ich nur in Ruhe frühstücken, danach den Garten gießen und endlich die Bücher sortieren, die sich seit Wochen auf dem Wohnzimmertisch stapelten. Nichts deutete darauf hin, dass ausgerechnet dieser Morgen alles durcheinanderbringen würde.
Als es an der Haustür klingelte, dachte ich zunächst an den Paketdienst. Vielleicht hatte einer der Nachbarn wieder etwas zu mir liefern lassen. Ich öffnete die Tür – doch statt eines kleinen Pakets stand dort ein Lieferwagen eines örtlichen Blumenhändlers. Der Fahrer lächelte freundlich, prüfte noch einmal seine Unterlagen und fragte nach meinem Namen.
„Amber?“
Ich nickte etwas verwundert.
„Dann ist das für Sie.“
Er öffnete vorsichtig die Hecktür seines Wagens. Was ich dort sah, verschlug mir für einen Moment die Sprache. Eine riesige Blumenbox, randvoll mit leuchtend gelben Rosen. Der Fahrer erklärte, dass es genau einhundert Rosen seien und bat mich lediglich, den Empfang zu unterschreiben. Bevor ich überhaupt Fragen stellen konnte, verabschiedete er sich bereits und fuhr davon.
Ich stand noch einige Sekunden regungslos in der Einfahrt. Gelbe Rosen. Hundert Stück. Ohne Karte, ohne Absender und ohne jede Erklärung.
Langsam trug ich die große Schachtel ins Haus. Schon beim Öffnen verbreitete sich der intensive Duft frischer Rosen im ganzen Wohnzimmer. Die Blüten waren wunderschön. Jede einzelne wirkte sorgfältig ausgewählt. Zwischen den Blumen suchte ich nach einer Karte, einem Umschlag oder wenigstens einer kleinen Notiz. Doch ich fand nichts.
Natürlich dachte ich zuerst an Daniel. Vielleicht hatte er sich eine Überraschung überlegt. Er wusste, dass ich Blumen liebte, auch wenn er normalerweise eher kleine Sträuße mitbrachte. Hundert Rosen passten überhaupt nicht zu ihm.
Ich griff sofort zum Handy und schrieb ihm eine Nachricht.
„Sind die Rosen von dir?“
Die Antwort ließ auf sich warten.
Währenddessen betrachtete ich die Blumen immer wieder. Irgendetwas ließ mir keine Ruhe. Nicht die Rosen selbst, sondern ihre Anzahl. Hundert.
Warum genau hundert?
Je länger ich darüber nachdachte, desto mehr kam mir das Ganze seltsam vor. Wer verschickt so viele Blumen, ohne seinen Namen dazuzuschreiben?
Etwa zwanzig Minuten später vibrierte mein Handy.
„Welche Rosen?“
Ich las die Nachricht zweimal.
„Vor unserer Tür standen gerade 100 gelbe Rosen.“
Fast sofort erschien seine Antwort.
„Ich habe nichts bestellt.“
Nun wurde ich wirklich nachdenklich.
Ich rief beim Blumenladen an, dessen Logo auf dem Lieferwagen gestanden hatte. Die Mitarbeiterin war sehr freundlich, konnte mir jedoch kaum weiterhelfen. Aus Datenschutzgründen dürfe sie den Auftraggeber nicht nennen. Sie bestätigte lediglich, dass die Bestellung einige Tage zuvor vollständig bezahlt worden sei.
Das machte die Sache nicht einfacher.
Im Laufe des Vormittags klingelte mein Telefon mehrmals. Zunächst meine Schwester, später eine Freundin. Offenbar hatten Nachbarn die Lieferung beobachtet. Alle wollten wissen, ob Daniel mich mit einer riesigen Überraschung überrascht habe.
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