Sobald die ersten heißen Sommertage beginnen, stellt sich in vielen Haushalten dieselbe Frage: Sollten die Fenster tagsüber geöffnet bleiben oder ist es besser, sie geschlossen zu halten? Kaum zeigt das Thermometer Temperaturen von über 30 Grad an, entstehen darüber oft die unterschiedlichsten Meinungen. Die einen öffnen schon früh am Morgen alle Fenster und hoffen, möglichst viel frische Luft in die Wohnung zu lassen. Andere schließen bereits nach Sonnenaufgang konsequent Rollläden und Fenster, damit möglichst wenig Wärme ins Haus gelangt. Viele verlassen sich dabei auf Gewohnheiten, die sie seit Jahren oder sogar Jahrzehnten übernommen haben. Doch nicht alles, was sich im Alltag bewährt zu haben scheint, führt tatsächlich zu einem angenehmeren Raumklima. Tatsächlich entscheiden oft kleine Details darüber, ob sich eine Wohnung im Laufe des Tages unangenehm aufheizt oder selbst während einer Hitzewelle überraschend kühl bleibt.
Ich erinnere mich noch gut an einen besonders heißen Sommer vor einigen Jahren. Bereits am frühen Vormittag zeigte das Thermometer draußen mehr als dreißig Grad an und selbst nachts kühlte die Luft kaum noch ab. Während ich morgens alle Fenster weit öffnete, war meine Nachbarin bereits dabei, ihre Rollläden fast vollständig herunterzulassen. Damals war ich überzeugt, dass möglichst viel Frischluft automatisch auch für kühlere Räume sorgen müsse. Schließlich fühlt sich ein leichter Luftzug zunächst angenehm an. Erst später stellte ich fest, dass meine Wohnung sich trotz dauerhaft geöffneter Fenster jeden Nachmittag immer stärker aufheizte, während es bei meiner Nachbarin deutlich angenehmer blieb. Das machte mich neugierig und ich begann, mich intensiver mit dem Thema zu beschäftigen.
Dabei wurde mir schnell klar, dass unser persönliches Empfinden oft täuscht. Ein leichter Wind vermittelt zwar das Gefühl von Abkühlung, tatsächlich kann jedoch genau dieser Luftstrom warme Außenluft ins Haus transportieren. Ist die Luft draußen heißer als die Luft im Inneren der Wohnung, gelangt mit jedem geöffneten Fenster zusätzliche Wärme in die Räume. Möbel, Fußböden und Wände speichern diese Wärme über Stunden hinweg und geben sie nur sehr langsam wieder ab. Genau deshalb fühlen sich viele Wohnungen selbst am späten Abend noch unangenehm warm an, obwohl draußen die Temperaturen bereits langsam sinken.
Besonders große Fensterflächen spielen dabei eine wichtige Rolle. Sonnenstrahlen erwärmen nicht in erster Linie die Luft, sondern treffen auf Böden, Möbel und Wände. Diese speichern einen erheblichen Teil der Wärme und geben sie nach und nach wieder an den Raum ab. Wer schon einmal ein Auto erlebt hat, das mehrere Stunden in der Sonne stand, kennt denselben Effekt. Obwohl draußen vielleicht 32 Grad herrschen, können im Innenraum deutlich höhere Temperaturen entstehen. Ganz ähnlich verhält es sich auch in Wohnungen, wenn Sonnenlicht über Stunden ungehindert durch die Fensterscheiben fällt.
Deshalb empfehlen viele Fachleute, sich nicht allein auf das Lüften zu konzentrieren, sondern vor allem die direkte Sonneneinstrahlung möglichst früh zu reduzieren. Außenliegende Rollläden, Jalousien oder Markisen verhindern, dass ein großer Teil der Sonnenenergie überhaupt ins Gebäude gelangt. Auch geschlossene Vorhänge können dabei helfen, wobei außenliegende Beschattungen in vielen Fällen deutlich wirksamer sind als Vorhänge im Rauminneren. Je früher die Fenster vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt werden, desto weniger Wärme gelangt überhaupt ins Haus.
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