Manchmal sind es gerade die einfachsten Rezepte, die die schönsten Erinnerungen tragen. Wenn ich an dieses Gericht denke, sehe ich sofort die kleine Küche meiner Großmutter vor mir. Es war keine große Küche, nichts Modernes oder Besonderes – aber sie hatte etwas, das viele Küchen heute vermissen: Wärme, Geduld und diesen Duft nach frisch gekochten Kartoffeln, der sich langsam im ganzen Haus ausbreitete. Meine Dorf-Oma lebte in einem kleinen Ort, in dem die Menschen noch viel aus einfachen Zutaten kochten. Damals gab es keine komplizierten Supermarktregale mit unzähligen Produkten. Viele Gerichte entstanden aus dem, was gerade im Garten oder im Vorratsschrank vorhanden war. Kartoffeln gehörten natürlich immer dazu. Sie sagte oft einen Satz, den ich nie vergessen habe: Wenn du Kartoffeln und Eier im Haus hast, wird niemand hungrig bleiben. Und genau daraus entstand dieses Rezept. An manchen Tagen, besonders wenn es schnell gehen musste oder wenn überraschend Besuch kam, machte sie diese Kartoffel-Eier-Taler. Sie kochte ein paar Kartoffeln, zerdrückte sie grob mit einer Gabel und rührte zwei Eier darunter. Mehr brauchte es eigentlich nicht. Manchmal schnitt sie noch etwas Schnittlauch aus dem Garten dazu oder eine Frühlingszwiebel, wenn gerade eine da war. Dann formte sie aus der Masse kleine Taler und briet sie in einer schweren Pfanne goldbraun. Der Duft war unglaublich. Wenn die Taler in der Pfanne bruzzelten, hörte man dieses leise Knuspern. Die Ränder wurden langsam goldbraun und leicht knusprig, während das Innere weich und cremig blieb. Für uns Kinder war das immer ein kleines Festessen. Es war kein kompliziertes Gericht, kein besonderes Sonntagsmenü – aber genau darin lag sein Zauber. Es war warm, sättigend und schmeckte nach Zuhause. Viele Jahre später, als ich selbst zu kochen begann, erinnerte ich mich wieder daran. Es passierte ganz spontan. Ich hatte ein paar Kartoffeln übrig und wusste nicht genau, was ich daraus machen sollte. Plötzlich fiel mir dieses alte Rezept wieder ein. Ich kochte die Kartoffeln, zerdrückte sie, gab zwei Eier dazu und briet kleine Taler in der Pfanne. Als ich den ersten Bissen probierte, war es genau derselbe Geschmack wie früher. Seitdem mache ich dieses Gericht regelmäßig. Besonders dann, wenn ich etwas Einfaches und Herzhaftes möchte. Es braucht nur wenige Zutaten, ist schnell gemacht und schmeckt trotzdem unglaublich gut. Und jedes Mal, wenn ich diese goldenen Kartoffeltaler aus der Pfanne nehme, denke ich an meine Großmutter und daran, wie sie mit wenigen Zutaten etwas ganz Besonderes zaubern konnte.
Zutaten
600 g Kartoffeln (mehligkochend)
2 Eier
1 kleine Frühlingszwiebel oder 2 EL Schnittlauch fein gehackt
½ TL Salz
½ TL schwarzer Pfeffer
1–2 EL Stärke optional
2–3 EL Öl oder Butter zum Braten
Optional zum Servieren Kräuterquark frischer Salat Apfelmus oder etwas geriebener Käse
Zubereitung
Zuerst werden die Kartoffeln geschält und in grobe Stücke geschnitten. Anschließend gibt man sie in einen großen Topf mit leicht gesalzenem Wasser und lässt sie etwa 15 bis 20 Minuten kochen bis sie weich sind. Wenn ein Messer leicht hineingleitet sind sie fertig. Danach werden die Kartoffeln abgegossen und kurz ausgedampft damit überschüssige Feuchtigkeit verschwindet. Nun kommen sie in eine große Schüssel und werden mit einer Gabel oder einem Kartoffelstampfer grob zerdrückt. Sie sollten nicht komplett püriert sein kleine Stücke sorgen später für eine bessere Struktur. Jetzt werden die zwei Eier direkt in die warme Kartoffelmasse gegeben. Anschließend kommen Salz Pfeffer und die fein gehackte Frühlingszwiebel oder der Schnittlauch hinzu. Alles wird gründlich vermischt bis eine gleichmäßige Masse entsteht. Wenn die Mischung zu weich wirkt kann man ein bis zwei Esslöffel Stärke hinzufügen damit sich die Taler leichter formen lassen. Mit leicht feuchten Händen formt man nun kleine runde oder ovale Kartoffeltaler. Sie sollten etwa ein bis zwei Zentimeter dick sein. Danach wird eine Pfanne mit etwas Öl oder Butter auf mittlerer Hitze erhitzt. Die geformten Taler werden vorsichtig in die Pfanne gelegt und etwa vier bis fünf Minuten gebraten bis die Unterseite goldbraun ist. Anschließend werden sie vorsichtig gewendet und auch auf der zweiten Seite goldbraun gebraten. Sobald beide Seiten eine schöne knusprige Farbe haben werden die Taler aus der Pfanne genommen und kurz auf Küchenpapier gelegt.
Tipps und Variationen
Dieses einfache Rezept lässt sich wunderbar anpassen. Wer möchte kann etwas geriebenen Käse in die Kartoffelmasse geben wodurch die Taler besonders aromatisch werden. Auch geraspelte Zucchini oder Karotten passen hervorragend dazu und machen das Gericht etwas saftiger. Eine herzhaftere Variante entsteht mit kleinen Speckwürfeln oder Schinkenstücken. Wer mediterrane Aromen mag kann etwas Knoblauch und Oregano hinzufügen. Für eine besonders knusprige Kruste lassen sich die Taler vor dem Braten leicht in Semmelbröseln wenden. Die Kartoffel-Eier-Taler schmecken frisch aus der Pfanne am besten können aber auch gut im Kühlschrank aufbewahrt werden. Zum Aufwärmen eignet sich eine Pfanne oder eine Heißluftfritteuse. Dieses Rezept zeigt wie wenig Zutaten man braucht um ein wirklich gutes und wohltuendes Gericht zu zaubern genau so wie es früher auf dem Land gekocht wurde.
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