Es gibt Rezepte, die entdeckt man nicht in Kochbüchern, sondern im Leben selbst. Dieses hier gehört ganz eindeutig dazu. Ich kann mich noch gut erinnern, wie ich als Kind im Sommer oft bei meiner Großmutter war. Sie hatte keinen großen Garten, nur ein paar Beete hinter dem Haus, aber darin wuchs alles, was man brauchte: Petersilie, Schnittlauch, ein paar Gurkenpflanzen und vor allem Tomaten. Keine perfekt runden Supermarkt-Tomaten, sondern krumme, manchmal aufgesprungene, mal kleine, mal riesige Früchte, die in allen möglichen Rottönen leuchteten. Wenn man sie pflückte, waren sie noch warm von der Sonne und dufteten so intensiv, dass man eigentlich schon beim Riechen wusste, wie sie schmecken würden.
Meine Großmutter machte daraus nie ein großes Rezept. Sie nahm einfach ein Messer, schnitt die Tomaten in dicke Scheiben, streute etwas Salz darüber, mahlte Pfeffer frisch aus der Mühle und stellte den Teller auf den Tisch. Mehr nicht. Kein Essig, kein Zucker, kein Schnickschnack. Und trotzdem war es für mich eines der besten Gerichte überhaupt. Vielleicht gerade deshalb, weil es so ehrlich war. Heute, viele Jahre später, mache ich diesen einfachen Tomatensalat immer noch genau so – und jedes Mal fühlt es sich ein bisschen wie Sommer an, selbst wenn draußen längst kein Juli mehr ist.
Mit der Zeit habe ich verstanden, dass dieses „Rezept“ eigentlich gar keines ist, sondern eher eine kleine Erinnerung daran, wie gut einfache Dinge sein können. Gerade in einer Zeit, in der man überall komplizierte Gerichte sieht, ist so ein Teller Tomaten fast schon etwas Besonderes geworden. Er braucht keine lange Vorbereitung, keine exotischen Zutaten und keine Erfahrung in der Küche. Man braucht nur gute Tomaten und ein paar Minuten Zeit. Und vielleicht genau deshalb passt dieses Gericht so wunderbar in den Alltag, wenn man sich etwas Frisches gönnen möchte, ohne viel Aufwand.
Zutaten
3–4 reife, aromatische Tomaten (am besten saisonal oder aus regionalem Anbau)
1 kleine Prise grobes Salz oder Meersalz
Frisch gemahlener schwarzer Pfeffer
1–2 TL gutes Olivenöl (optional)
Ein paar frische Kräuter nach Geschmack, z. B. Schnittlauch oder Basilikum (optional)
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