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5 häufige Irrtümer über die runde Narbe am Oberarm – eine stille Geschichte, die viele von uns tragen

Es gibt Dinge am eigenen Körper, die man jahrelang kaum beachtet, bis sie plötzlich ins Bewusstsein rücken. Bei mir war es genau so mit dieser kleinen, runden Narbe am Oberarm. Sie war einfach da. Schon immer, so schien es. Als Kind habe ich sie nicht hinterfragt, als Teenager habe ich sie ignoriert, und erst viel später – beim Umziehen im Sommer, beim Blick in den Spiegel, beim Vergleich mit anderen Frauen im Schwimmbad – habe ich angefangen, darüber nachzudenken. Diese Narbe ist unscheinbar, kaum größer als eine kleine Münze, manchmal leicht eingezogen, manchmal heller oder dunkler als die umgebende Haut. Und doch trägt sie eine Geschichte in sich, die viel größer ist, als man auf den ersten Blick vermuten würde.

Ich schreibe diesen Text nicht als Ärztin, nicht als Wissenschaftlerin, sondern als ganz normale Frau, als Mutter, als Hausfrau, als jemand, der zuhört, beobachtet und sich viele Fragen stellt. Über die Jahre habe ich gemerkt, wie viele Missverständnisse, Halbwahrheiten und sogar Ängste sich um diese kleine Narbe ranken. In Gesprächen mit Freundinnen, Nachbarinnen, Kolleginnen oder Verwandten kam sie immer wieder zur Sprache – meist beiläufig, manchmal peinlich berührt, manchmal mit einem Scherz überspielt. Und fast immer schwang Unsicherheit mit. Genau deshalb möchte ich darüber sprechen. Ruhig, ehrlich, ohne Panikmache, ohne medizinisches Fachchinesisch, so wie man es sich unter Freundinnen am Küchentisch erklären würde.

Viele Menschen tragen diese Narbe ein Leben lang, ohne je eine richtige Erklärung bekommen zu haben. Besonders Menschen, die in bestimmten Regionen der Welt aufgewachsen sind – in Teilen Asiens, Afrikas, Lateinamerikas oder Osteuropas – kennen sie. Aber auch in Deutschland, gerade bei älteren Generationen oder bei Menschen mit familiären Wurzeln im Ausland, ist sie weit verbreitet. Und trotzdem wissen erstaunlich viele nicht, was es mit ihr auf sich hat. Stattdessen entstehen Mythen, Irrtümer und manchmal sogar Schamgefühle. Dabei ist diese Narbe nichts, wofür man sich verstecken müsste. Im Gegenteil: Sie erzählt eine Geschichte von Schutz, Vorsorge und einer Zeit, in der man versucht hat, Menschen vor einer gefährlichen Krankheit zu bewahren.

Einer der häufigsten Irrtümer, den ich immer wieder höre, ist die Annahme, es handle sich um eine Hautkrankheit oder um eine Verletzung aus der Kindheit. Manche glauben, sie seien als Kind gestürzt und hätten sich dabei verbrannt oder eine Wunde zugezogen, die nie richtig verheilt sei. Andere vermuten eine allergische Reaktion, eine Infektion oder etwas, das „nicht ganz normal“ war. Gerade wenn Eltern oder Großeltern nie darüber gesprochen haben, bleibt viel Raum für Fantasie. Die Wahrheit ist jedoch in den allermeisten Fällen viel nüchterner und gleichzeitig beruhigender. Diese runde Narbe stammt von der sogenannten BCG-Impfung, einer Schutzimpfung gegen Tuberkulose. Sie wurde oft im Säuglings- oder Kleinkindalter verabreicht, weshalb sich die meisten Menschen nicht bewusst daran erinnern können. Der Körper reagiert lokal auf den Impfstoff, und bei vielen entsteht dabei diese typische Narbe. Sie ist kein Zeichen dafür, dass etwas schiefgelaufen ist, sondern im Gegenteil ein Hinweis darauf, dass das Immunsystem gearbeitet hat.

Ein weiterer Irrtum, der leider oft mit Vorurteilen verbunden ist, lautet: „Nur Menschen aus armen oder ländlichen Verhältnissen haben diese Narbe.“ Diesen Satz habe ich leider schon viel zu oft gehört, manchmal leise, manchmal ganz offen ausgesprochen. Dahinter steckt ein gesellschaftliches Stigma, das tief sitzt. Die Vorstellung, dass diese Narbe etwas über Herkunft, Bildung oder Lebensstandard aussagt, ist jedoch schlicht falsch. Die BCG-Impfung war in vielen Ländern über Jahrzehnte hinweg Teil der staatlichen Impfprogramme, unabhängig vom Einkommen der Familien. Sie wurde in Krankenhäusern, Gesundheitszentren und oft direkt nach der Geburt verabreicht. Millionen Kinder aus allen sozialen Schichten wurden geimpft, weil Tuberkulose damals eine ernsthafte Bedrohung darstellte. Die Narbe sagt also nichts über Armut oder „Rückständigkeit“ aus, sondern spiegelt vielmehr die gesundheitspolitischen Entscheidungen einer bestimmten Zeit wider.

Sehr verbreitet ist auch der Irrglaube, dass Menschen ohne diese Narbe nicht geimpft wurden. Gerade wenn man anfängt, die eigenen Arme mit denen anderer zu vergleichen, entstehen schnell falsche Schlüsse. „Du hast keine Narbe? Dann bist du wohl nicht geimpft worden“, hört man nicht selten. Doch so einfach ist es nicht. Nicht jeder Körper reagiert gleich auf die BCG-Impfung. Bei manchen Menschen bildet sich eine deutlich sichtbare Narbe, bei anderen verheilt die Einstichstelle fast spurlos. Bei einigen verblasst sie im Laufe der Jahre so stark, dass sie kaum noch zu erkennen ist. Das Fehlen einer Narbe bedeutet also nicht automatisch, dass keine Impfung stattgefunden hat. Genauso wenig sagt eine deutlich sichtbare Narbe etwas über eine stärkere oder schwächere Immunität aus. Jeder Körper ist anders, und genau das zeigt sich auch hier.

Ein weiterer Punkt, der viele verunsichert, ist die Angst, die Narbe könne auf ein schwaches oder geschädigtes Immunsystem hindeuten. Gerade Menschen, die generell sensibel auf gesundheitliche Themen reagieren, machen sich darüber Gedanken. Sie fragen sich, ob ihr Körper damals „zu stark“ reagiert hat oder ob die Narbe ein Zeichen dafür ist, dass etwas nicht stimmt. Auch hier kann man beruhigt sein. Die BCG-Narbe ist kein Zeichen von Immunschwäche. Sie entsteht durch eine normale lokale Reaktion des Körpers auf den Impfstoff. Das Immunsystem erkennt die abgeschwächten Bakterien und reagiert darauf, genau so, wie es soll. Die Narbe selbst hat keine negativen Auswirkungen auf die Gesundheit und bedeutet nicht, dass man anfälliger für Krankheiten ist.

Besonders emotional wird es beim fünften Irrtum: der Vorstellung, die Narbe sei gefährlich oder müsse entfernt werden. Ich habe Frauen erlebt, die diese Narbe jahrelang versteckt haben, die sich nicht ärmellos anzogen, die im Sommer immer etwas über die Schulter legten. Manche dachten sogar darüber nach, sie kosmetisch entfernen zu lassen, aus Angst, sie wirke „unschön“ oder „unnormal“. Dabei ist diese Narbe medizinisch harmlos. Sie stellt keine Gefahr dar, sie muss nicht behandelt werden, und sie verändert sich in der Regel auch nicht mehr. Natürlich ist jeder Mensch frei in seiner Entscheidung, was er mit seinem Körper macht. Aber aus medizinischer Sicht gibt es keinen Grund, diese Narbe entfernen zu lassen. Sie ist kein Makel, sondern ein stilles Zeichen dafür, dass man einmal geschützt wurde.

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